Witwegrete

Der Bauer Karl fiel 1941 in Russland und seine Frau, die Grete, wusste sich keinen anderen Rat, als beim Amte um einen Kriegsgefangenen nachzufragen, der sich auf dem Hof nützlich machte bei allem, wozu es eines Mannes Kraft bedarf.

Man wies ihr einen Franzosen zu, ein siebzehnjähriges, hübsches Jüngelchen. Anfangs hatte Grete tüchtig viel an ihm auszusetzen, ein Stadtkind sei der, an das Arbeiten nicht gewöhnt und offenbar taub, nämlich müsse sie ihm alles fünfmal sagen.

Wenig später nur verstummte ihre Klage, Grete war nun stets guter Dinge. Dabei stand sie mit der Arbeit noch immer allein, der Franzose war schon am Morgen so erschöpft, dass er nicht einmal mehr eine leere Schubkarre bewegen konnte. Seine Manneskraft war verbraucht und Grete gönnte ihm Erholung, bis die Dunkelheit neuerlich über ihn hereinbrach. Böse Zungen behaupteten, dass sie ihn sogar verlieh.
Das Jüngelchen überlebte die Gefangenschaft und gegen Ende des Krieges musste Grete ihn freilassen.

Was wohl der Franzose später dachte über Deutschland in der Nacht? Plagte ihn Sehnsucht nach Gretes Busen, seufzte er am Abend leis nach ihr? Oder quälten ihn böse Träume, er inmitten liebestoller, draller Bäuerinnen, die ein ums andere Mal über ihn herfielen? Das weiß nicht einmal die Grete, denn der Franzose ließ nie mehr etwas von sich hören.