Neuzeit

Einmal im Jahr war Schlachtetag. Die Bäuerin verpackte Stück für Stück des dick gemästeten Schlachteschweines in neumodische Plastiktüten und befüllte ihre neue Kühltruhe damit. Wie einfach das war und praktisch dazu.

Wenig später, infolge eines schweren Unwetters, fiel der Strom aus. Das war eine Sache für Heinrich, ein Meister der Elektrik und Anverwandter der Bäuerin. Bald, nachdem man ihn gerufen hatte, kam er, den Schaden zu beheben. Allerdings habe er im Augenblick wenig Zeit und mache das jetzt erst einmal provisorisch, sagte er. Später, wenn seine Auftragslage weniger angespannt, werde er wiederkommen und fachgerecht instand setzen.

Heinrich Provisorium, wie der Bauer ihn einiger leidvoller Erfahrungen wegen nannte, fuhr davon und hinterließ Kabel, die im Nirgendwo endeten, außerdem Versorgungslücken. Eine betraf den kleinen Kellerraum, in dem die Kühltruhe abgestellt war. Aber niemand schaute nach dort, entsann sich der Segnung der Neuzeit.

Erst Tage später, am Sonntag, als die Bäuerin in den Keller stieg, sich einen Sonntagsbraten aus der Truhe zu holen, fand sie das verdorbene Fleisch darin. Die Bäuerin untröstlich, der eilig herbeigerufene Heinrich Provisorium ebenfalls. „Weiß nicht, was geschah, es ist, wie es ist,“ murmelte er vorgeblich verstört und setzte neuerlich auf unbestimmte Zeit instand.