Suende

Das Geschlechtliche hatte seine Tücken, war wahlweise Pflicht oder Sünde. Während der Ehe durfte eine nicht nur, sondern musste sogar ihrem Manne zu Willen sein, ein Mann hatte ein Anrecht und auch Triebe. Eine Ehefrau hatte Pflichten. Wenn es ihren Mann überkam und also er über sie, so ließ sie es mit sich geschehen, es dauerte auch nicht lange.

Vorehelich war das Geschlechtliche Teufelswerk und darum drängte es einen danach, auch als Frau, das war ja gerade das Teuflische, eine gab sich hin, wurde eine Hure und bekam keinen Mann. Eine schlimme Strafe und Vorgeschmack der Hölle noch auf Erden, denn die Jungfer erwartete ein freudloses Leben. Wagte sie es, dem Glück eigenhändig auf die Sprünge zu helfen, müsste sie für ihren Ausflug in das Reich der Lust teuer bezahlen, Hirnerweichung und ein krummer Rücken wären die Folge. Blöd, blind und von zügelloser Lust gebeugt, landete sie im Irrenhaus.

Fromm genommen, war mit dem Herrgott nicht zu spaßen. Gestrengen Auges saß der auf seinem Himmelsthron, beobachtete die Irrungen seiner Schäfchen auf Erden und notierte genauestens noch kleinste Verfehlungen.