Mitgift

Als die Bäuerin Käthe ihr siebtes Kind geboren hatte, kamen die Nachbarsfrauen, ihr zu gratulieren. Doch sie fanden Käthe verzagt und ratlos. „Noch ein Mädchen“, klagte sie, „jetzt sind sie zu viert. Wer soll das bezahlen, wenn jedes von ihnen einen Bauern heiratet und also eine Aussteuer braucht.“ Viermal eine respektable Mitgift, also handgefertigte Möbel und eine Eichentruhe, die bis an den Rand zu füllen wäre mit Tischdecken aus Damast, Handtüchern und Bettwäsche vierzigfach, Silberbesteck und gutem Porzellan. Gern auch mit Geld, mehr als genug von allem jedenfalls wäre zu wenig.

Wochen später wollte Käthe ihr Silberbesteck aus dem Schrank holen, um es für die Tauffeier zu putzen. Doch sie fand die Besteckkästen leer, Silber für vierundzwanzig Personen, Suppenkellen und Beilagenlöffel, alles fort. Käthe zeterte und weinte, dass ein gemeiner Dieb sie zwang, den Gästetisch mit gewöhnlichem Besteck einzudecken. Ihre älteste Tochter Lene ging in diesen Tagen auffallend still umher und verriet sich schließlich. Sie habe, so bekannte Lene, das Silber versteckt, für ihre Aussteuer zurückgelegt, wisse aber nicht mehr, wohin. Tage und Wochen suchte man, drehte überall im Haus das Unterste zuoberst und grub sogar im Garten, allerdings vergebens, das Besteck blieb verschwunden auf immer. 

Die Zeit sollte Lenes Handeln rechtfertigen, sie heiratete einen Bauern. Ihre Eltern durchlitten der kostspieligen Aussteuer wegen einige schlaflose Nächte, das Geld war knapp und ein Darlehen der letzte Ausweg.