Kluge Gerda

Als die Kanonen am Ende des ersten Weltkrieges endlich schwiegen, war Gerda zu einem hübschen Mädchen herangewachsen und ihr Vater grübelte darüber nach, mit welchem Bauern er sie vermählen sollte. Gerda machte es ihm nicht gerade leicht, mit keinem war sie zufrieden und drohte, jedem, auf dessen Kissen man sie zwänge, bei der erstbesten Gelegenheit davonzulaufen. Dabei wurde auch Gerda nicht jünger, sie war bereits zwanzig Jahre alt, es pressierte nun mit dem Heiraten.

Einmal, als wieder ein Tölpel zum Zukünftigen sich aufschwang, ging Gerda zum Tanz und traf dort den Friedrich, der ein stattlicher Mann war und allem Anschein nach vermögend. Schließlich, spät am Abend, als der Mond hoch am Himmel stand und die Welt mit seinem zarten Licht umgab, entschwand Gerda mit ihrem Friedrich hinaus in die Nacht, wo sie unerschrocken mit ihm bussierte. Einer der Tölpel sah es und vermeldete Gerdas Vater, was sich zugetragen hatte. Der Vater examinierte sowohl Gerda als auch den fremden Übeltäter und verlangte, dass auf der Stelle geheiratet würde.

Friedrich erwies sich als Ehrenmann, er nahm Gerda zur Frau und bot ihr ein reiches Leben. Wenn Gerda auf Besuch kam, auf das Feinste gekleidet und rundweg zufrieden, tuschelte die bäuerliche Anverwandtschaft, dass Gerda so gar nichts auszustehen hätte. Aber so, da waren die Neider sicher, würde es nicht bleiben, gewiss könnte auch Gerda der Mühsal nicht zeitlebens entgehen. Man wartete Jahr um Jahr, dass Friedrich etwas missriete, aber nichts geschah und so kamen sie schließlich überein, dass Gerda das Glück für sich gepachtet hätte.