Brautschau

Friederike war ein schönes Mädchen und klug dazu. Man glaubte, dass ihr Besonderes bestimmt sei, denn nie sah man sie auf einem Tanzvergnügen, oft aber beim Bibelkreis. Ihre Mutter Helene schmiedete große Pläne, was einmal aus dem Friederiken würde, vielleicht Ordensschwester oder gar Pastorin.

Bis der Brief aus Afrika kam, von Christian, dem Missionar. Ihm wäre es manchmal einsam zumute in seiner Gebetsstube am Kap, schrieb er. Ob man vielleicht eine deutsche Maid kenne, die geeignet und auch willens. Diesen Brief schickte der Himmel, und zwar direkt an Friederikes Adresse, da war Helene sicher. Eilig schrieb sie zurück, Herr Christian möge sich auf den Weg machen, die fromme Friederike harre seiner voller Ungeduld. Der ließ sich nicht zweimal bitten und ehe man sich versah, machte Christian seine Aufwartung. Er war ein stattlicher Mann, zudem gebildet und vermögend, Helene lauschte seinen Worten mit heißem Herzen.

Anders Friederike. Das ganze Leben eine einzige Bibelstunde, tagein, tagaus der milde Christian, grausig, nein, sie lehnte ab, mehr noch, drohte mit größtem Ungemach, sollte man sie zwingen wollen. Wie Helene überhaupt darauf gekommen sei, diesen salbungsvollen Popen herzulocken, ohne ihre, Friederikes Zustimmung einzuholen.

Helene weigerte sich, diese gute Partie kampflos verloren zu geben, und bat Herrn Christian, auszuharren, bis Friederike zu Verstand gekommen sei.