Nachwuchs

Die Zeiten des kalten Krieges brachten neue Sorgen. Zwar fürchteten die Bauern sich nicht mehr davor, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele, aber vielleicht ja kämen die Russen über sie.

Die Bauern fürchteten die Kommunisten wie der Teufel das Weihwasser. Drüben, in der Zone, mussten die Bauern nun Seite an Seite mit den Habenichtsen auf ihren Äckern schuften. Volkseigen, die eigene Scholle volkseigen, da hörte sich ja alles auf, dann wäre alles verloren und man müsste Getreide und Kartoffeln beim Kombinat Rote Rübe abliefern, natürlich unentgeltlich. Auch gäbe es an jedem Tag bloß Steckrübensuppe und man müsste auf Strohmatten schlafen.

Und was das Schlimmste war, diesseits der Grenze konnten die Roten auf tatkräftige Unterstützung rechnen. Gammler, aufsässige Stubenhocker und andere, die sich vor der Arbeit drückten, setzten Brände und verprügelten brave Polizisten. Deren Anführer waren bestimmt Kommunisten, die man aus Moskau geschickt hatte, den Westen in Aufruhr und Anarchie zu versetzen, damit die Russen leichtes Spiel hätten und enteignen könnten, soviel sie lustig wären.

Die Studenten sollten sehen, dass sie von der Straße kämen, an die Arbeit, dass Ruhe würde, oder aber nach drüben gehen, anstatt die jungen Leute rebellisch zu machen. Denn nicht nur, dass die Hoferben mit langem Haar umhergingen, wie Frauensleute, auch wollten die sich von den Alten nichts mehr sagen lassen. „Was du redest,“ meuterten sie, „kannst mir gar nichts, und wennst nicht bald mal dein dummes Maul hälst, haue ich ab nach Amsterdam. Oder sowieso.“