Knecht Gregor

Gregor war Knecht beim Bauern sein Lebtag. Er sprach nur selten, wenn er aber einmal seine Stimme erhob, musste man auf das Schlimmste gefasst sein, denn jedes seiner Worte traf genau. Auch fiel es schwer, ihm in die Augen zu sehen, mit stechendem Blick fixierte Gregor sein Gegenüber, sah dem geradewegs bis in das Herz. An jedem Morgen, den der Herrgott werden ließ, begann er sein Tagwerk bei Sonnenaufgang und beendete es, sobald ihre wärmenden Strahlen hinter den Baumwipfeln versunken waren.

Zur Sommerzeit, wenn schier endlos viele Kartoffeln- und Rübenreihen zu hacken waren, ging Gregor allen voran. Obwohl die Luft vor Hitze schwirrte, sich kein Lüftchen regte, dabei kein Schatten weit und breit, bewegte er seine Hacke gleichmäßig, Schlag für Schlag, Stunde um Stunde. Nie richtete er sich auf, nicht einmal in all den Jahren, die man ihn arbeiten sah. Gregor vermied es, sich aufzurichten, man komme dann aus dem Takt, so wusste er. Gregor richtete sich nicht einmal dann auf, wenn er am Ende einer Reihe angelangt war, in gebeugter Haltung drehte er sich herum und begann mit der nächsten.

Siebzigjährig, war er manchmal müde, streckte sich und wischte den Schweiß von seiner Stirn. Der Bauer wusste gleich, dass etwas nicht in Ordnung war, und riet ihm, zu einem Arzt zu gehen. „Ich war nie bei einem Arzt“, entgegnete Gregor, „ich gehe auch jetzt nicht, eine Krankheit kommt und geht.“ Im Herbst desselben Jahres starb er an Leukämie und es hieß, er habe das Leiden schon lange in sich getragen. Darum, erzählen sie, können sie das Bild nicht vergessen, Schlag für Schlag, ohne einen Blick zurück oder voraus, so, als gab es für ihn weder ein Gestern noch ein Morgen. aber nichts geschah und so kamen sie schließlich überein, dass Gerda das Glück für sich gepachtet hätte.