Moor

Das Moor war unheimlich, sogar am Tag. Obwohl die Vögel zwitscherten, die Sonne schien, ein laues Sommerlüftchen wehte und die wie kleine Seen anmutenden Moortümpel friedlich ruhten, wachte der Wanderer ängstlich, dass er nur nicht vom Wege abkam. Denn schon in Sichtweite des schmalen Pfades lauerte der alles verschlingende Morast auf ein nächstes Opfer, auf den, der sich ein Stück zu weit vorwagte, die Idylle zu schauen.

Und in der Nacht führten Irrlichter, die wie kleine Sterne funkelten auf ihrem unruhigen Grund, den späten Besucher der Dunkelheit an den Rand ihres Abgrunds. Die Irrlichter, erzählt man sich, spiegelten die Seelen jener, die auf immer an dem Grund des Moores gefangen waren und vergebens um ihre letzte Ruhe flehten. Zornig wanden sich die Toten in dem dunklen, kalten Sumpf, um den Schlangen, Ratten und anderem Ungetier zu entgehen. Dann waberte und blubberte es in den Tümpeln, Rauchschwaden stiegen empor und mit ihnen Hexen und Dämonen.

Die Schatten der Moorleichen standen wieder auf. Unruhig durchstreiften sie Wald und Heide, fanden keinen Schlaf. Manchmal, in der Nacht, wenn der Wind über das Land fuhr, hörte man sie jammernd klagen oder wütend heulen.

Aber die Lebenden beachteten weder die Stimmen des Windes noch das Ächzen im Gebälk ihrer Kammern. Ihre einzige Sorge die, dass sie nicht in den Himmel kämen und der Teufel sie holte. Doch der Himmel war weit und der Teufel wollte sie nicht, denn sogar der fürchtete sich vor ihren Gespenstern.