Automobil

Wen es einmal in ein Moordorf verschlagen hatte, dem gelang es nur mit Mühe, wieder von dort fort zu kommen. Kein Bus verirrte sich in die Einöde am Ende der Welt und ein Automobil kannte man nur vom Hörensagen. Das änderte sich erst dann, als die reichen Bauern von anderswo in ihren Limousinen vorfuhren und hämisch anfragten, wie lange noch man sich die Hacken ablaufen oder umständlich kutschieren wolle. Der Bauer Friedrich beschloss, dem arroganten Gerede ein Ende zu setzen, und kaufte sich ein Auto, einen Opel Kapitän, mit dem er stolz umherfuhr.

Friedrichs Glück währte nur ein Jahr, denn sein ältester Sohn hatte bei einer nächtlichen Heimfahrt vom Tanzvergnügen Bekanntschaft mit einem Rehbock gemacht und der schöne Kapitän war unter dem Gewicht des massigen Tieres zusammengebrochen. Schweren Herzens schaffte Friedrich Ersatz herbei und das Unglück nahm seinen Lauf. Jahr um Jahr musste er ein Auto verschrotten, denn ein Kind nach dem anderen erwarb den Führerschein. Wenn die am Abend mit dem Auto unterwegs waren, trugen sich auf den Straßen wundersame Dinge zu, wie Friedrich nun erfuhr. Nicht genug damit, dass Has und Igel einander Gute Nacht sagten und das Wild wechselte, auch kreuzten Bäume die Fahrbahn. „Wirklich“, beteuerten die Unglücklichen, „ein Baum, eben noch zur Linken, fand sich Augenblicke später auf der rechten Straßenseite. Gleich einem Wild setzte er über, traf mich.“

Friedrich ahnte, dass seine Geisterfahrer ihn dereinst ruinierten und lehnte ab, ein weiteres Auto zu kaufen. Von nun an fuhr er mit dem Fahrrad oder seinem Traktor und die Bäume blieben brav an ihrem Platz.